Solvis Nullemissionsfabrik

Die SOLVIS Nullemissionsfabrik wurde 2001 in Braunschweig realisiert

Fassade Verwaltung
Nichts in den Hallen des Braunschweiger Heizungs- und Sonnenkollektor-Herstellers Solvis erinnert an die Tristesse üblicher Fabriken. Die Architektur ist anspruchsvoll, es dominieren Tageslicht und helle Farben, Holz schafft einen Anflug von Behaglichkeit, die Luft wird beständig ausgetauscht, ohne dass es zieht.
Wirtschaftswoche Nr. 4 – 2008

Standort

Wer Nachhaltigkeit verkauft, sollte in der Konsequenz auch in einem nachhaltig errichteten und betriebenen Gebäude produzieren.

In Braunschweig an der Grotrian Steinweg Strasse entstand 2002 Europas erste Nullemissionsfabrik.

Solvis, Hersteller von Solaranlagen, nutzt die erste Nullemissionsfabrik Europas nicht nur für Produktion und Verwaltung, sondern ebenso als Imageträger. Empfohlen von der Fraunhofer Gesellschaft für solare Energiesysteme überzeugten Banz + Riecks als seinerzeit einziges Büro mit der Erfahrung sowohl in energieoptimierten Verwaltungs- als auch Industriebauten aus Holz. In einem integralen Planungsprozess entstand bereits 2002 ein Büro- und Produktionsgebäude ohne Emission von Treibhausgasen.

Konzept

Solvis, abgeleitet von den lateinischen Wörtern „Sol“ (Sonne) und „Vis“ (Kraft), produziert ökologische Haustechnik vom Sonnenkollektor bis zum Solar-Heizkessel. Seit 1988 unterliegt
der Hersteller der betrieblichen Selbstverwaltung, entsprechend wurden sämtliche Mitarbeiter von Anfang in den Entwurfsprozess einbezogen. Gemeinsam mit den Architekten und Fachplanern erarbeiteten sie in einer wöchentlich stattfindenden „happy hour“ die notwendigen Eckpunkte der Planung. Ziel war es, trotz des extrem knappen Budgets ein gestalterisch ansprechendes, technisch ambitioniertes und in der täglichen Nutzung leistungsfähiges Bauwerk zu schaffen. Das Ergebnis manifestiert sich in einem einfachen, kompakten Gebäude, mit reduzierten Lüftungs- und Wärmelasten, jedoch ohne Abstriche an ein behagliches Arbeitsplatzklima inklusive passiver Kühlung im Sommer. Ein weiterer entwurfsbestimmender Aspekt war die Fertigungsoptimierung und Logistik sowie die gewünschte kurze Verbindung zwischen „Kopf und Hand“ im Betrieb, zwischen Verwaltung und Produktion.

Energie

Hochwärmegedämmte Holzleichtbauteile für Wände und Dach, in die Produktionshalle integrierte Beladezonen für LKWs sowie die kompakte Kubatur des Gebäudes führten zu einem niedrigen Heizenergiebedarf von nur 27 KWh/qma. Da vor Ort weder Wasser- noch Windkraft verfügbar waren, sahen die Planer zusätzlich zu den gebäudeintegrierten Solarsystemen ein Rapsöl-Blockheizkraftwerk vor, das den Strom für die eigenen Montageanlagen erzeugt und die Abwärme zur Beheizung nutzt. Die Kombination aus der Netzeinspeisung von Überschüssen aus der Photovoltaikanlage und der Eigenstromproduktion des BHKW ergibt in der Summe auch bei konventioneller Rapsölproduktion eine CO2-neutrale Bilanz. Banz + Riecks entschieden sich, zusammen mit der Fraunhofer-Gesellschaft für solare Energiesysteme, geschlossene Vakuumpaneele in die Öffnungsflügel zu integrieren. Die Architekten zielten damit auf eine bessere Wahrnehmbarkeit und damit einen bewussteren Umgang mit der freien Lüftung. Aufgrund der Einbausituation könnten die Vakuumpaneele im Falle des Versagens einfach ersetzt werden, doch hat deren Leistungsfähigkeit bis dato nicht nachgelassen.

Den Bedarf der Fabrik decken ausschliesslich erneuerbare Energien; so bleibt die Umwelt von zusätzlichen Abgasen verschont. Das von den Architekten Banz + Riecks entworfene Gebäude ist Vorbild für ökologischen Industriebau und mehrfach preisgekrönt : Unter anderem mit dem „Europäischen Solarpreis 2002“ und dem „Energy Globe 2003“.
Die Welt Nr. 9 – 2007

Verleihung PROM des Jahres am 09.01.2008 durch Bundesumweltminister Sigmar Gabriel

Projektdaten

Nutzungstyp
Fertigungsgebäude mit Verwaltung

Standort
Grotrian-Steinweg-Strasse 12, Braunschweig

Bauherr/Nutzer
Solvis GmbH & Co. KG

Realisierung
06.2001–06.2002

Kennwerte
BGF 8.215 Quadratmeter
NF 54.740 Quadratmeter
Primärenergiebedarf 0 kWh/qma
EnEV 2007 – 100 Prozent

Baukosten netto
Kostengruppe 300-400 4.650.000 Euro
Kosten je Quadratmeter BGF 566 Euro
Kosten je Kubikmeter BRI 85 Euro

Verantwortliche Mitarbeiter
Ruba Bani
Ulrike Schmälter
Tanja Brotrück

Preise & Auszeichnungen
Europäischer Solarpreis 2002 (Eurosolar),
European Architecture & Technology Award 2003 (Europäischer Architekturpreis für Architektur und Technik)
Energy Globe
Weltpreis der Nachhaltigkeit 2003,
PROM des Jahres 2008 (energieeffizienteste Gewerbeimmobilie Deutschlands)

Fotos
Christian Richters